Stichwortsuche


Liste der Artikel eines Tages


WITCH - die phonetische Suchhexe
Phonetische Suche


Empfehlungen:
Online Apotheke Seo Suchmaschine
Lastminute Reisen Aquarium LED




Heise Online
*
*
*
*
*
*
*
*
*
*
*
*

Von der „Hinderberg-Affäre“ bis zur OB-Wahl

Nachrichten aus Speyer | Artikel vom 11. 12. 2002


86
Großer Empfang für Boris Jelzin. Der damalige Oberbürgermeister Dr. Christian Roßkopf (re) und Bischof Dr. Anton Schlembach (li) nahmen den Staatsmann in Empfang. Foto: Deuter

Von Bernhard Bumb

Das Jahr 1994 war vor allem von der Speyerer Politik geprägt: Wechsel auf dem Sessel des Stadtoberhauptes, „Hinderberger-Affäre“, Forderung des Ausschlusses des Beigeordneten Kern aus seiner Partei, Historischer Wechsel - Schwarz-Grün regierte künftig mit der Wählergruppe. Lars Wedell drohte auf den Philippinen die Todesstrafe.

Am 9. März schienen sich Grundstücksgeschäfte zum Politskandal auszuweiten. Der Sprecher der FDP, Dr. Bernd Rückwardt, klagte diesbezüglich Friedel Hinderberger, Ratsherr der SPD, an. Bei der Eröffnung eines Autohauses in der Hetzelstraße habe der Inhaber von „Schwierigkeiten mit einem bestimmten Stadtrat“ gesprochen. Hinderberger seien seine Grundstücksgeschäfte „über den Kopf gewachsen...“ Rückwardt sprach von Filz, Ämterpatronage, Vetterleswirtschaft und Selbstbedienungsmentalität. Der Beschuldigte erwiderte: „Ich bin hilfsbereit gewesen, sonst nichts“. Am 14. März stand in der Tapo: Unterlagen widerlegen Hinderberger-Aussage. Es hieß: „...dass Hinderberger sehr wohl an dem Grundstück (heute Auto Kempl) interessiert war und dieses erwerben wollte“. Da die Stadt das Vorkaufsrecht hatte und ein Kauf durch Hinderberger nicht möglich war, bemühte sich sein Schwiegersohn, Inhaber der Firma Reschka, um das Gelände.

Die Angelegenheit wurde zur „Hinderberger-Affäre“. Oberbürgermeister Roßkopf sah „keine Verstöße gegen Recht und Gesetz“, das Prüfungsamt sah „keine Unregelmäßigkeiten“. Dennoch wollte die SPD durch einen Ausschuss die „Grundstücksvorwürfe“ untersuchen lassen. Hinderberger nahm bis zur Vorlage des Ergebnisses sein Mandat im Rat und in den Ausschüssen nicht wahr. Die Forderung „Hinderberger soll zurücktreten“ wurde lauter, denn mittlerweile seien Vorwürfe aus der SPD gegen ihn „aufgetaucht“.

Tatsächlich erklärte Hinderberger seinen Rücktritt und seinen Verzicht auf eine Kandidatur bei der bevorstehenden Kommunalwahl. Seine Begründung in erster Linie: ...mit Rücksicht auf meine Familie, die Partei und den Kandidaten der SPD für die OB-Wahl.“

Weil in der „Affäre“ auch von Spenden an den AV 03 die Rede war, schaltete sich die Staatsanwaltschaft Kaiserslautern ein. Seit 21. Dezember wurde nicht mehr ermittelt, das „Hinderberger-Verfahren“ (Verdacht der Steuerhinterziehung und Schwarzarbeit) eingestellt. Die SPD scheiterte mit ihrem Antrag auf einen Untersuchungsausschuss, aber auch CDU und FDP kamen mit ihrer Forderung, nachzuforschen, nicht weit.

Mit der Aufstellung eines eigenen OB-Kandidaten - Dr. Wolf Böhm - überraschten die Freien Demokraten. Unter ihre Querelen zog die ÖDP einen Schlussstrich - für Günter Kettenbach hatten sie keinen Platz mehr auf der Liste zur Kommunalwahl. Die Union zog mit dem Slogan „Ein Mann, der’s kann - Werner Schineller“ in den Wahlkampf, die SPD mit dem Motto: „Ein Mann, der’s besser kann - Rolf S. Weis“.

Am 16. März stand fest: Schineller folgt Roßkopf im Amt. Schineller bekam 52 Prozent, Weis 39,9 und Wolf 8,6 Prozent. CDU und SPD erhielten je 17 Sitze im Stadtrat, die FDP zwei, Grüne vier, die Wählergruppe drei Sitze. Die ÖDP schickte einen Vertreter in den Rat.

Rolf S. Weis (SPD) erteilte eine Kampfansage an Roland Kern: „Dieser steht außerhalb der Partei“. Die Tapo am 27. Juni: SPD fordert Kerns Parteiausschluss. Der SPD-Ortsverein Erlich warf Kern parteischädigendes Verhalten vor. In der „Hinderberger-Affäre“ war davon die Rede, dass Kern über Rückwardt einen Angriff auf Hinderberger lanciert habe, um Weis zu treffen.

Enttäuschung bei der SPD: Union und Grüne bildeten eine Koalition unter Einbeziehung der Wählergruppe. Zu Beigeordneten wurden Hanspeter Brohm (CDU) und Inge Irlweck (Wählergruppe) ernannt. Bei der Bundestagswahl lag die Union in Speyer deutlich vor den Sozialdemokraten. Mit stehenden Ovationen hatte der Stadtrat Oberbürgermeister Dr. Christian Roßkopf auf dessen letzter Sitzung als Stadt-oberhaupt verabschiedet.

Das waren 1994 Abschiede für immer: Es starben der Künstler Friedrich Jossé (97), der Musikbibliothekar der Landesbibliothek und „solide Geiger“ Gottfried Brause (71), der ehemalige Sparkassendirektor Jakob Weber (86).

Beerdigt wurden der Gewo-Geschäftsführer und CDU-Stadtrat Karl Kornmann (76), der frühere Leiter des Amtes für Vor- und Frühgeschichte Karlwerner Kaiser (83), der frühere Leiter des Speyer-Kollegs („begnadeter Pädagoge“) Dr. Günther Roland. Während seines Orgelspiels in einem Gottesdienst in Karlsruhe starb Domkapellmeister Bernhard Weck (64).

Lars Wedell, damals 36 Jahre alt, wurde auf den Philippinen Drogenbesitz vorgeworfen. Nach seiner Verhaftung saß der Speyerer in einer Zelle ein, die er mit rund 200 Häftlingen teilen musste - unter miserablen hygienischen Bedingungen. Erst, als er einen neuen Verteidiger bekam, einen ehemaligen Bürgermeister („hat großen Einfluss“), ging’s ihm besser. Wedell wurde entlassen und musste sich in einer Pension aufhalten. Ihm drohte die Todesstrafe.

Im Rathaus wurde mit Ministerin für Gleichstellung, Jeanette Rott, 75 Jahre Frauenwahlrecht gefeiert. Sabine Wolf (damals Archäologiestudentin) trat als erste Wehrfrau der Feuerwehr Speyer ihren Dienst an. Sie feierten ihren „Hunderts-ten“: Margarethe Kaessler, Jakob Jossé und Claudia Schorkina, eine geborene Kosakin (Familie einst von Kommunisten und Nationalsozialisten verfolgt), wurde 1942 in der Firma Hess (Speyer) arbeitsverpflichetet.

Die Gemeinnützige Baugenossenschaft wurde 75, „Haus & Grund“ feierte mit 600 Gästen sein 100jähriges Bestehen, der ASV Speyer Nord bestand 40 Jahre, die Gedächtniskirche ruft seit 90 Jahren Gläubige zum Gottesdienst. Die Ausstellung im His-torischen Museum „Der Zarenschatz der Romanow“ sahen 316 003 Besucher.

Der Schiffbauer-, Schiffer- und Fischerverein investierte 400 000 Mark in sein Vereinsheim (Brückenhaus). Bundeskanzler Kohl besuchte mit dem Präsidenten Rußlands, Boris Jelzin, Speyer und den Dom. In der Fischergasse eröffneten Iris Vondung und Claus J. Müller das „Schlappgosch Theater“ (existiert inzwischen nicht mehr).

Witz in der Hexennacht: Wie man sich wirksam gegen Aids - 1994 ein weltweit diskutiertes Problem - schützen kann, machten „Hexen“ klar, indem sie ein „Riesenkondom“ über die Stele des Brunnens vor der Gedächtniskirche zogen (scherzhalber nennen die Speyerer die Stele „Phallus“).

Fortsetzung folgt

Das TapoArchiv - ein Service der SpeyerNet AG

suchticker.de - die Seo Suchmaschine
Seitenanfang Seitenanfang © 1999 - 2011 by SpeyerNet AG - Impressum - Immobilien in Speyer
[Startseite] Designed and hosted by SpeyerNet AG
Seitenanfang Seitenanfang