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Nikolaus hinterließ auch in Speyer Spuren

Nachrichten aus Speyer | Artikel vom 06. 12. 2001


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1689 zerstört, 1825 abgebrochen: Die Ruine der Nikolauskapelle ist der Antikenhalle gewichen. Repro aus: Klotz, Speyer - Kleine Stadtgeschichte

Von Bernhard Bumb

In der Sommerzeit breiten Künstler auf der Sonnenbrücke ihre Utensilien aus. Touristen zücken begeistert die Kameras. Sie alle halten eines der schönsten Motive unserer Stadt fest: die alte Brücke, das Gasthaus „Zum Halbmond“ mit seinem schmucken Erker, das Grün der Bäume und den Dom. Und auf der Brücke jenen Heiligen, dessen Tag heute begangen wird: Nikolaus von Myra.

Rund um die Sonnenbrücke und unterhalb des Heidentürmchens herrschte einst das geschäftige Treiben der Schiffbauer, Schiffer, Hafenarbeiter und Rheinkaufleute. Wer heute im „Hasepuhl“ wohnt, lebt in einem ehemaligen Flusslauf und Hafengelände. Wer im unteren Domgarten zum Rhein lustwandelt, schlendert durch ein altes Hafenbecken. Auf der Sonnenbrücke befindet man sich mitten im „Nikolausviertel“. Darauf weist der moderne Brückenheilige von Wolf Spitzer: Nikolaus von Myra. Die Bengels vom „Hasepuhl“ utzen ihn ob seiner Gestalt „Altstadtrakete“.

Nikolaus von Myra ist nicht nur der Schutzpatron der Kinder, sondern auch der Berufsgruppen, die sich Flüsse, Seen und Meere zunutze machen: Seeleute, Flussschiffer, Handelsschiffer und Schiffbauer. Dem populären Heiligen wurde schon im 12. Jahrhundert in Speyer eine Nikolauskapelle gewidmet. An ihrer Stelle steht seit 1826 die Antikenhalle, seit 1930 Kriegerdenkmal. Die Kapelle war auch die Zunftkirche der Speyerer Rheinkaufleute, Schiffbauer und Schiffer. Sie lag über dem Hafengelände rund um den nördlichen und östlichen Dombezirk. Mit der Bildung von Zünften, also wirtschaftlicher Zweckverbände der Kaufleute und Handwerker, wurde auch auf Schutzpatrone aus den Reihen der Heiligen der (katholischen) Kirche zurückgegriffen.

Die Satzungen der Zünfte orientierten sich an der christlichen Arbeits-, Wirtschafts- und Sozialethik. An Zunftaltären und in eigenen Zunftkirchen wurde zum Seelenheil der Mitglieder und ihrer Angehörigen gebetet und die Messe gelesen. Nicht nur die Kapelle, die 1689 zerstört und deren Ruine 1825 abgebrochen wurde, war dem Nikolaus von Myra geweiht, sondern auch der Altar.

Zwischen der Antikenhalle und dem Friedrich-Spee-Haus führt eine Treppe über die Nikolausgasse zur Sonnenbrücke hinab. Wer heute die obersten Stufen der Treppe betritt, wäre in alten Zeiten durch den Nikolausturm marschiert. Schon damals wurde im Durchgang des Turmes eine Treppe angelegt. Nach Nikolaus von Myra ist also auch die Nikolausgasse benannt, die den nördlichen Domgarten mit dem Hasenpfuhl verbindet.

Auf dem Parkplatz, der an diese Gasse grenzt, stand bis 1954 der Schlachthof. Westlich der Nikolausgasse lag der Nikolauszwinger. Zwinger waren freie Plätze zwischen der inneren und äußeren Stadtbefestigung, die verschiedenen Zwecken dienten.

Die Sonnenbrücke - älteste Brücke Speyers, 1242 erstmals urkundlich nachweisbar - hieß ursprünglich - wie kann’s anders sein - Nikolausbrücke. Ihren jetzigen Namen erhielt sie spätestens 1574, benannt nach der Herberge „Zur Sonne“. Während der Zerstörung Speyers 1689 im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde auch diese Brücke beschädigt. Nach Wiederherstellungs- und Sanierungsmaßnahmen besteht sie auch aus Bausubstanzen aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Ein fein herausgeputztes und restauriertes Fachwerkensemble verleiht der Umgebung der alten Nikolausbrücke ein idyllisches Flair.

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