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Spektakuläre Waschungen

Kultur | Artikel vom 23. 04. 2001


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In Aktion: Die Mitglieder der „Erbengemeinschaft Felix Gordon“ sorgen mit ihrer eigenwilligen Performance am Brunnen auf dem Alten Marktplatz für reichlich Aufsehen und Gesprächsstoff. Foto: Bug

Trotz des ekelig kalten April-macht-was-er-will-Wetters zelebrierten die Angehörigen der „Erbengemeinschaft Felix Gordon“ ihren Frühjahrsputz unspektakulär spektakulär zwischen Rathaus und Georgsbrunnen, mit vielen Spielarten von Performance. Dabei ging es nicht einfach um selbstverliebte Inszenierungen, sondern um das Auslösen von Fragen bei denen, die sich auf solche Prozesse einlassen können und wollen.

Zugegeben, der schmuddelige und beißend kalte Samstagnachmittag machte es allen nicht leicht: den Akteuren und den Passanten. Flucht in die Café- oder Kaufhauswärme war da ein instinktiver Trieb. Doch nicht für die Erbengemeinschaft. Sie zog ihr Programm der wunderbaren Waschungen durch.

Eine junge Frau (Ulli Weber), beschürzt, steht mit einem kleinen Tisch voller gelbgrüner Reinigungsschwämmchen vor dem Plätscherbrunnen und verteilt diese Pfannenreiniger. Was man damit macht, beweist sie auch: Auf den Knien rutschend schrubbt sie das regennasse Kopfsteinpflaster.

Ein Ähnliches treibt die in einem weißen keimabhaltenden Anzug steckende Figur (Johanna Schellenberger). Sie pervertiert den Reinigungsprozess noch durch das Handhaben einer Zahnbürste. Damit auch die Zwischenräume ja schön sauber werden.

Ein weißbekittelter Ministrant (Reinhard Arnold), eine große Osterkerze vor sich tragend, stolziert gravitätischen Schrittes durch die kleine Menge, verteilt Aschekreuze auf die Stirne der Willigen.

In einen Kosmonautenanzug gepfercht, eine Giftspritze geschultert mit ewiglanger Düse, spritzt eine andere Figur (Martin Eckrich) Keime tot, damit auch wirklich alles rein wird.

Ein einsamer Mensch (Ralf Oeschger) breitet ein weißes Tuch auf dem Pflaster aus, schneidet einen großen Kreis heraus, und daraus wiederum eine winzig Öffnung. Der so freigelegte Stein wird mit Andacht und inquisitorischen Instrumenten gereinigt. „Eine weltumspannende Reinigung?“, fragt sich ein Passant.

Auf dem Brunnenrand, sich im eiskalten Wasser die Füße reinigend, sitzt ein Agitator (Christian Künters) und schleudert seine Tiraden unter das Volk. Er definiert Reinigung, Putzen, gibt Quellenangaben an und weiß zu berichten, dass der „Frühjahrsputz die Zeit für das körperliche und seelische Pflegeprogramm“ ist, „eine umfassende Entgiftung“.

Letztlich erfährt auch der Brunnen Reinigung. Die Gemeinschaft säubert dessen Reliefsätze, wie: „Deutschland muß leben, auch wenn wir sterben müssen.“ Traurig steht ein weißgekleideter Herr (Franz Doser) mit Hut und Schirm herum und fragt die Passanten, ob sie eine blonde Frau gesehen hätten, auf die er warte. Man verneint. Britney Spears sei on Tour. Doch er hofft weiter, mit seinen blauen novalis-romantischen Blumen. Auch wir hoffen, dass die Reinigung wirklich reinigt. Walter Hoinka

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