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Blutiger Anschlag im Wittelsbacher Hof von Regierung gedeckt

Kultur | Artikel vom 22. 02. 2002

Der blutige Anschlag auf Separatisten-Führer im „Wittelsbacher Hof" von 1924 sorgt bis heute an Speyerer Stammtischen für leidenschaftliche Diskussionen. Die wilde Schießerei forderte Schwerverletzte und sogar Tote. Auf dem Speyerer Friedhof erinnert noch heute ein Denkmal an zwei erschossene Attentäter. Der aus Waldsee stammende Historiker Matthias Spindler, ein ausgewiesener Kenner der Separatistenzeit, hat die turbulenten Ereignisse in eine Hörfunk-Sendung, in die neueste Erkenntnisse der Forschung einflossen, umgesetzt. Das einstündige Feature „Anatomie eines Attentats - Die Erschießung des Franz Josef Heinz, genannt Heinz-Orbis“ wird am morgigen Samstag ab 21 Uhr vom SWR 2 Rheinland-Pfalz ausgestrahlt (UKW: 102,2 MHz).

Seit über 20 Jahren analysiert Privatforscher Matthias Spindler, Jahrgang 1954, das komplexe Themengebiet Separatismus in der Pfalz, zusammen mit seinem Kollegen Gerhard Gräber, der aus Böhl stammt. Die beiden Historiker veröffentlichten nach intensivem Quellenstudium 1992 mit „Revolverrepublik am Rhein“ ein bahnbrechendes Werk, das mit vielen Vorurteilen und Halbwahrheiten aufräumte.

Wie Spindlers Feature zeigt, wurde das Speyerer Attentat von Abwehr-Organisator Dr. Edgar Jung (der aus der französisch besetzten Pfalz ausgewiesene Jurist war Mitbegründer der Ge- heimorganisation „Rheinisch-Pfälzischer Kampfbund“) mit Unterstützung der bayrischen Staatsregierung geplant. Die Idee für den Überfall auf Heinz und seine Gefolgsleute wurde in München geboren, nachdem dort ein Neustadter Studienrat, der von den Gewohnheiten der Speyerer Separatisten wußte, geplaudert hatte. Ausgenutzt wurde der Umstand, dass sich führende Köpfe der Regierung der Autonomen Pfalz jeden Abend im Speisesaal des Gasthauses ohne Leibwächter versammelten. Spindler hat Belege dafür, dass für die brisante Unternehmung 40 000 Goldmark vom Finanzministerium in München beigesteuert wurden - eine gewaltige Summe, die als Prämie für die Attentäter gesehen werden kann.

Nachdem am Vorabend der erste Anlauf für den Anschlag missglückte, weil die Rheinüberquerung misslang, wurde die blutige Racheaktion gegen die „Vaterlandsverräter“ dann am Abend des 9. Januar, um 21.35 Uhr, verwirklicht. Ein „Beobachtungstrupp“ mischte sich unter die Gäste des W-Hofs.

Rückendeckung sollte eine Sicherungsgruppe geben, im Schieþtrupp agierten auswärtige Spezialisten, die in Ludwigshafen mit nagelneuen Mauser-Pistolen ausgerüstet worden waren. Für Verwirrung unter den Angreifern sorgt der Separatist Fritz Lilienthal, der im Gasthaus offenbar Wein kaufen will, von den Sicherungsleuten übersehen wird und ein unvorhergesehenes Feuergefecht im Freien auslöst. Er wird mit einem Bauchschuss niedergestreckt. Präsident Heinz, der aus Orbis bei Kirchheim-Bolanden stammt, treffen Schüsse in Kopf und Rückgrat tödlich, seine Mitstreiter Mathias Sand und Nikolaus Fußhöller starben wenig später im nahen Stiftungskrankenhaus. Glück im Unglück hatte ein unbeteiligter Kaufmann am Tisch des Separatisten-Führers, der von den Attentätern nur leicht verletzt wurde.

Nicht allen Angreifern gelingt die Flucht zurück über den Rhein: Aufgrund einer Ladehemmung seiner Waffe wird Franz Xaver Hellinger („Bund Oberland“) bei der Schießerei getötet, von eigenen Leuten versehentlich getroffen stirbt auch der Ex-Finanzbeamte Ferdinand Wiesmann. Edgar Jung gelingt trotz eines Halsschusses die Flucht. Die Untersuchung der denkwürdigen Vorgänge durch das Landgericht Frankenthal wurde bald wieder eingestellt. Keiner der Attentäter wurde je zur Rechenschaft gezogen.

Wenngleich das Attentat vom 9. Januar gewaltig Staub aufwirbelte, hat nach

Spindlers Erkenntnis diese Aktion letztlich wenig Auswirkung gezeigt, schon gar nicht das Ende des Separatismus in der Pfalz (die damals noch zu Bayern gehörte) herbeigeführt. Bei der Umsetzung der Ereignisse aus einer Ära vielschichtiger Umbrüche in ein unterhaltsam-lehrreiches Hörspiel konnte Spindler auf eigene langjährige Hörfunk-Erfahrung zurückgreifen. Seit über 20 Jahren konzipiert und moderiert er Jazzsendungen für den Hessischen Rundfunk. Vielsagende O-Töne und die passende Musik zur Untermalung einzelner Szenen fand der in Mannheim lebende Autor im Rundfunkarchiv. Auf der Suche ist Spindler derzeit noch nach einem Verlag, der diese spannende Episode Domstädter Geschichte in gedruckter Form publiziert.

Christof Köhler

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