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Als die Speyerer in Rhein und Russenweiher schwimmen lernten

Nachrichten aus Speyer | Artikel vom 07. 07. 1999


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Russenweiher als Badeparadies: „Märchentante“ Wilma Lang (links) gab sich auch zu Wasser gerne mit den Kindern ab. Daran erinnert sich auch Ernst Seitz (Mitte rechts) gut.

„Schwimmen war in Speyer für die Jugend eine Selbstverständlichkeit“, sagt Jakob Schäfer und er muß es wissen. Mit einem geradezu perfekten Vortrag skizzierte der langjährige Vorsitzende des Kanu Clubs gestern beim Erzählcafé des Seniorenbüros die Geschichte domstädtischer Badefreuden zwischen den zwei Weltkriegen. „In Freiheit dressiert“ hat er selbst von Kindesbeinen an „alle Bademöglichkeiten in Speyer ausgenutzt“. Und davon gab’s eine Menge: Salmgrund, Pioniergrund, Kiesbank am badischen Ufer, Floßhafen, aufgestauter Woogbach, ... Besonders beliebt: „die zwei Löcher“ am badischen Ufer. Alles unbewacht, versteht sich. Für sichere Badeplätze und regulären Schwimmunterricht sorgten die Wasserfreunde, die Niemandsche Badeanstalt, der Wassersport am Floßhafen.

Beliebtester Strand war zweifellos die Kiesbank gegenüber der Stadt, zu erreichen über eine Ponton-Brücke. Selbige diente immer mal gern als Ausrede für abendliches Zu-spät-kommen - wenn angeblich der Schiffsverkehr ein Passieren verhinderte. Intensivste Erinnerungen haben Jakob und „Lisl“ Schäfer an den Russenweiher - der Badeplatz für die Neulandjugend. „In den Ferien sagte die Mutter immer zu mir ‘nimm die Gänse mit’ - dann hab’ ich sie beim Baden vergessen und die waren dann schon vor mir daheim“, amüsiert sich Elisabeth Schäfer noch heute. Ihr Mann Jakob wußte noch zu gut, welche Gaudi man mit Allround-Talent Eugen Fritz („de Gackel“) hatte, der gerne mal mit dem Schlauchboot einen „Raketenstart“ vom Sprungbrett inszenierte.

Ach, und dann die Schwimmhilfen: Da wurden Schwimmkissen aus Leinensäcken genäht, Korken gesammelt und zusammengefügt, Weißblechdosen auf den Rücken gebunden - alles höchst erfinderisch. Wenn man nicht ohnehin am Schwimmbalken der Schwimmschule Wilhelm Niemands zappelte. Beachtlich auch deren Historie: Niemand verkaufte gar Häuser und Äcker zu ihrer Finanzierung. Schwimmen gingen übrigens auch Domherren und Diakonissen: Das waren die Tage der geschlossenen Badeanstalt.

Wochenlangen Spott der Schulkameraden mußte Walter Goldschmidt ertragen, als er schwimmen lernte. Weil eine Badehose nicht finanzierbar war, gab die Mutter ihm ihre kleinste Unterhose mit. Ein echter „Bumber“, der sich im Wasser derart aufblähte, daß der kleine Walter zwar mit dem Schwimmen gar keine Probleme hatte - aber gnadenlos ausgelacht wurde. Marga Detzel ist „bis heute keine gute Schwimmerin“, weil sie „beinahe mal ertrunken“ ist. Ellen Winkler wußte noch zu gut, daß man am besten die Schlepper anschwimmen konnte, die schwer gelanden hatten. Elfriede Förster (die den ebenfalls erschienenen Oberbürgermeister aufs Erlebnisbad ansprach und einen kleinen Vortrag seinerseits auslöste) denkt mit Schaudern an ihr schlimmstes Erlebnis zurück: Als sie im Rhein schwamm, augenscheinlich ein Baumstamm ankam, sie sich daran festhielt - und das Ganze sich als Leiche entpuppte. War schon aufregend, das Speyerer Badeleben anno dazumal!

Für gratis „Abkühlung“ sorgte übrigens mit einer Fuhre Eis gestern die Gelateria Da Angela. Andrea Pauli

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